Vectrex-Programmierung an der Hochschule Pforzheim – Zurück in die Zukunft

Ein bisschen wie Marty Mc Fly aus Zurück-in-die-Zukunft dürften sich die Studenten und Studentinnen an der Hochschule Pforzheim im Kurs „Vectrex-Programmierung“ vorgekommen sein:
Im Sommersemester 2016 stand vor den Studenten zum Erlernen der maschinennahen Programmierung nicht wie in den letzten Jahren üblich die NAO-Roboter Modell H25 V4, sondern eine über 30 Jahre alte, schwarze Vectrex-Konsole Modell 3000 G1-EURO.

Wie kam es dazu? Für die durch ihre geringe Größe von nur ca. 60cm niedlich wirkenden, humanoiden NAO-Roboter der Hochschule stand eine länger dauernde Wartung an. Eine Alternative für die Roboter musste her und Professor Dr. rer. nat. Johannsen kam auf eine ungewöhnliche Idee: Auf dem Dachboden hatte er aus seiner Kindheit noch eine Vectrex-Konsole. Nach einigem Überlegen und Tüfteln hatte Professor Johannsen eine Entwicklungsumgebung aufgesetzt, in der Quellcode in Motorola 6809-Assembler oder auch C geschrieben und compiliert werden kann. Die Vorbereitungen waren damit weitestgehend getroffen, interessant würde sein, wieviele Studenten sich auf die Vectrex-Programmierung einlassen und diesen recht speziellen Kurs wählen würden.

Das hohe Alter der Vectrex-Konsole und die etwas besondere Anmeldung zum Kurs „Vectrex-Programmierung“, für die der für sein rätselbasiertes Lernen bekannte Professor Johannsen Aufgaben aus dem Bereich Maschinennahe Sprachen als erste Hürden gestellt hatte, konnte die interessierten StudentInnen offenbar nicht abschrecken, denn der Kurs begann mit insgesamt 27 StudentInnen.

Rund fünf Monate später und viele, viele Vorlesungs-, Praktikums- und Arbeitsstunden weiter sind nun insgesamt 21 Vectrexspiele entstanden, die in der Vectrex-Projektgalerie ausgestellt sind.

Mehrheitlich stellen die StudentInnen freundlicherweise die Binärdateien, das Handbuch und die optionale Overlaygrafik zum Herunterladen bereit. Die in der Projektgalerie mit Beschreibung und Screenshots vorgestellten Vectrexspiele können also direkt ausprobiert werden; ein Vectrexemulator wie ParaJVE zum Spielen am PC oder eine VecFlash- oder VecMulti-Cartridge zum Spielen auf der Original-Vectrexkonsole vorausgesetzt.

Bis dato kam ich erst dazu, mir die beiden Spiele Space Assault und Traffic Race genauer angesehen. Beide Spiele sind vollständige Spiele mit Punktezählung, Steuerung und Gegnern; in Space Assault hat der Autor Fabian Pfeifroth sogar mehrere Level mit unterschiedlichen Gegnern umgesetzt.

Professor Johannsen und die StudentInnen sind mit den entstandenen Ergebnissen sehr zufrieden – und das zurecht:
Neben dem Erlernen der maschinennahen Programmierung sowie dem sorgsamen Umgang mit begrenzten Ressourcen wie Speicher und Prozessorzeit sind quasi als Nebeneffekt interessante, durchaus spielbare Vectrexspiele mit Anleitung und teilweise sogar mit Farbfolie entstanden. Von daher von meiner Seite ein dickes Lob und Dankeschön an alle StudentInnen für die Erstellung und Bereitstellung ihrer Erstlingswerke und viel Erfolg und auch Spaß für das weitere Studium!

Vectrex32 SmartCart: Die Kraft der zwei Herzen

Die Vektorgrafik der Vectrex ist schon etwas Besonderes; wenn da nur nicht der begrenzte Prozessor und Speicher der Vectrex wäre. So hat wohl schon mancher Entwickler gedacht – doch nun hat Bob Alexander etwas gemacht: Die Vectrex32 SmartCart. Auf einer übersichtlichen Platine befinden sich ein Microcontroller mit einem moderner 32-bit Prozessor mit 200Mhz und ein 512kB-RAM-Baustein. Zum Vergleich: Die Vectrex taktet mit 1 MHz und verwendet dabei  einen einfachen Befehlsatz; von Fliesskommaarithmetik wollen wir gar nicht reden. Diese Platine wird in den Modulschacht eingesteckt, ab da führt der 32-bit Prozessor die Verarbeitung durch während der Prozessor der Vectrex lediglich den Videospeicher der Platine ausliest und anhand dieser Informationen die Vektoren zeichnet.

In einem Demo-Video zeigt Bob eindrucksvoll, was mit der Vectrex32 möglich wird:

Bob lebt in der USA und hat die Hard- und Software der Vectrex32 gänzlich alleine entwickelt. Er verkauft nun die ersten 20 Exemplare der SmartCart für $150. Zzgl. Versandkosten und Zollgebühren kostet die Vectrex32 SmartCart für deutsche Käufer beim derzeitigen Wechselkurs ca. 200 EUR.

Weitere Informationen sind im Vector Gaming Forum oder auf der schön gemachten Webseite www.vectrex32.com zu finden.

Die Vectrex32 SmartCart könnte eine neue Ära für die Vectrex einläuten. Ich drücke Bob die Daumen, dass die Vectrex32 von Sammlern, Spielern und vor allem erst einmal dem einen oder anderen Entwickler angenommen wird und darauf neue interessante Spiele für die Vectrex entstehen.